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6/2018

FOTO: REUTERS

Ein Migrant in Japan

1981 gründete Masayoshi Son den Misch-

konzern SoftBank mit Schwerpunkt Tele-

kommunikation und Medien. Schon damals

hatte der eher unscheinbare Mann große

Ziele: SoftBank sollte der weltgrößte Tech-

nologiekonzern werden. Bis 2050 wolle er

5.000 Firmen zukaufen. Bis zur Jahrtau-

sendwende ging es steil bergauf und nur

Bill Gates war laut Forbes-Ranking vermö-

gender. Doch dann platzte die Dotcom-Blase

und sein Vermögen schmolz von fast 70 Mil-

liarden Dollar auf 1,1 Milliarden. Son bewies

Steherqualitäten, stand auf und investier-

te weiter. Diese Eigenschaften hatte er als

Kind schon perfektioniert. Der Unternehmer

wuchs in der Stadt Tosu im Süden Japans

in einer illegal errichteten Bretterbude mit

einem Blechdach auf. Seine Eltern führten

einen Pachinko-Spielsalon, sein Vater war

nebenbei Schweinezüchter. Gegen den Wil-

len der Eltern und Lehrer ging Son mit 16

nach San Francisco, lernte Englisch, ging zur

Schule und studierte Wirtschaft an der Elite-Universität Berkeley. Inspirieren ließ sich der

damalige Teenager von einem Buch, das vom

Samurai-Helden Sakamoto Ryōma handelte,

der Japan gegen die westlichen Mächte auf-

rüsten wollte.

Freiheit und Technikverliebtheit

„Ohne Amerika gäbe es kein SoftBank, kei-

nen Masayoshi Son“, sagte der Selfmade-Mil-

liardär, der aus Angst vor Diskriminierung

in jungen Jahren einen japanischen Namen

führte. Er war fasziniert von der Welt der

Mikroprozessoren und ließ ein selbst ent-

wickeltes Übersetzungsgerät patentieren, das

ihm Sharp 1979 für 100 Millionen Yen (1,7

Millionen US-Dollar) abkaufte. Solcherart

finanziell ausgestattet, importierte Son das

Arcade-Spiel „Space Invaders“ und wurde in

der Folge zum Unternehmensgründer.

Von Uber bis Alibaba

Vor allem hatte er endlich Startkapital für

SoftBank. Schon früh kaufte er Anteile an

aufstrebenden Firmen mit Zukunftspoten-

zial – oft ging es gut, oft scheiterte er. In

Japan machte er sich einen Namen durch

den frühen Einstieg ins Internetgeschäft und

mit dem Kauf von Vodafone Japan in die

Mobiltelefonie. Zu seinen frühen Investitio-

nen zählen auch Yahoo und Alibaba. In den

vergangenen Jahren hat sich der SoftBank-

Konzern ein riesiges Tech-Imperium zusam-

mengekauft. 2,3 Milliarden Dollar investierte

er in die Roboterwagen-Tochter Cruise von

GM. Auch am Fahrdienstvermittler Uber ist

SoftBank inzwischen mit 15 Prozent beteiligt

und damit größter Anteilseigner. Am chi-

nesischen Uber-Rivalen Didi Chuxing hält

SoftBank ein Fünftel der Anteile. Der Chip-

Hersteller ARM Holdings, der Roboter-Fab-

rikant Boston Dynamics und der Mobil-

funkkonzern Sprint gehören SoftBank fast

vollständig. Anteile hält der Risikokapital-

geber am Büroplatz-Vermieter WeWork, an

der Chat-App Slack und am Chip-Herstel-

ler Nvidia.

Zockerseele auf Einkaufstour

Mit dem 2017 initiierten „SoftBank Vision

Fund“ will die Zockerseele richtig durchstar-

ten. Nach Medienangaben hat Saudi-Arabi-

en 45 Milliarden in den Vision Fund gesteckt,

von Apple, Qualcomm, Foxconn und Sharp

floss ebenfalls reichlich Kapial. SoftBank

ist zu einem Drittel beteiligt. Son ist ganz

„Technik-Gläubiger“. Er ist von der Revolu-

tion der Informationstechnologie überzeugt

und davon, dass künstliche Intelligenz glo-

bale Probleme löst. „Wir haben einen globa-

len Fokus und suchen Unternehmer mit küh-

nen Visionen. Da komme inzwischen auch

mehr Talent aus Europa als aus den USA“,

sagt SoftBank-Partner David Thevenon.

n

Risikokapital.

Masayoshi Son ist der reichste Japaner

und der bedeutendste Technologie-Investor. Mit seinem weltgröß-

ten Venture-Capital-Fonds will er sich im großen Stil die besten

Startups einverleiben. Wer ist der Mann hinter dieser irren Story?

Milliarden für die Zukunft

A

us dem Nichts kommend zum

reichsten Mann des Landes: Was

in Österreich Red-Bull-Grün-

der Didi Mateschitz ist, verkörpert in

Japan Softbank-Chef Masayoshi Son. Die

Geschichte des heute 60-jährigen Spros-

ses koreanischer Einwanderer ist wahr-

scheinlich noch eine Spur spannender

als jene des Dosen-Milliardärs. Während

Mateschitz in Hotels, Immobilien und

Medienprojekte investiert, sammelt der

reichste Mann Japans mit seinem welt-

größten Venture-Capital-Fonds Startups

und Technologiefirmen.

Weltbeste Startups im Visier

100 Milliarden Dollar schwer ist der

„Vision Fund“ von SoftBank. Allein im

Vorjahr soll SoftBank rund 100 Investitio-

nen imWert von 36 Milliarden US-Dollar

getätigt haben. Jetzt will er sich die welt-

besten Startups einverleiben. „Ich habe

97 Prozent meiner Zeit bisher verwendet,

um das Telekom-Business zu führen und

nur drei Prozent, um in Firmen zu inves-

tieren“, sagt Son. Dieses Ungleichgewicht

soll sich nun ändern.

Text:

Klaus Schobesberger

100

Mrd. Dollar

schwer ist der Vision

Fund von SoftBank. Allein

2017 wurden Investments

von 36 Milliarden US-Dol-

lar getätigt.

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