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COVERSTORY

6/2018

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CHEFINFO

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6/2018

FOTOS: CTO ROBART, ISTOCK / THINKSTOCK

FOTOS: AMAZON, ISTOCK / THINKSTOCK, DIGITAL PRODUCT CONSULTANT

von strukturschwachen Gebieten an die

Ballungszentren eventuell durch einen

autonomen mikro-öffentlichen Verkehr

verbessert.“ Und noch einen Trend kann

sich Ostermayer vorstellen: den Verkehr

in der dritten Dimension. „Es könnte

sein, dass es Lufttaxis geben wird. Dazu

braucht es ein 3D-Straßennetz und ver-

besserte Algorithmen.“

1918: Der Greißler

als Konsum-Mittelpunkt

Doch nicht nur Technologien, sondern

auch das Konsumverhalten steht vor

einem massiven Wandel ähnlich wie

vor 100 Jahren. Ein Jahr nach Kriegsen-

de gründete sich das heutige Unterneh-

men Herold Business Data in Graz. Zu

den ersten Produkten zählten das Ein-

wohneradressbuch und das Export Adress-

buch. Warum das relevant ist? Weil damit in

Österreich der Grundstein für den Direkt-

vertrieb gelegt wurde und es das Geschäfts-

modell des Einkaufs veränderte. Heute hat

sich Herold zum digitalen Marketingdienst-

leister entwickelt. Allein dieser Wandel zeigt

den aktuellen Umbruch. „In Europa nach

1918 dominierte lange der klein strukturier-

te unabhängige Einzelhandel, dann kamen

Supermärkte und Shoppingcenter dazu und

mit ihnen eine gewisse Marktkonzentration

auf wenige Spieler. Mit dem E-Commerce

kam der nächste große Game Changer. Von

den vielen kleinenWebshops in den Anfangs-

zeiten der Digitalisierung werden wohl nur

wenige Giganten überbleiben und diese könn-

ten mit ihrer Marktmacht ganze Produktions-

ketten sprengen“, wie Josef Baker-Brunnbauer

meint. Baker-Brunnbauer ist Digital Product

Consultant und untersucht als solcher das

Kauf- und Nutzerverhalten von Konsumen-

ten in der digitalen Welt von heute. „Mit dem

Tracking, das hinter solchen Webshops steht,

kennt man seine Konsumenten in- und aus-

wendig. Aktuell kommt mit den Sprachassis-

tenten eine völlig neue Dimension des Daten-

sammelns auf uns zu.“

2018: Amazon als Produzent?

Marktgigant Amazon mit seiner Alexa-Fami-

lie hat dabei nicht nur die Analyse des Kauf-

verhaltens im Visier, sondern will selbst zum

Produktionsfaktor werden. „Man beginnt via

Alexa etwa Commodities wie ‚Küchenrollen‘

zu bestellen. Amazon liefert natürlich dann

das Produkt, das es selbst wählt. Wenn wir

herkömmlich online shoppen, vergleichen

wir Qualität, Marken und Preise. Alexa macht

das nicht mehr, das hat natürlich enorme Aus-

wirkungen, auch auf produzierende Betriebe.

Es könnte schon bald Amazon-Eigenmarken

geben und das hat einen massiven Impact auf

die Realwirtschaft.“ Noch ausgeklügelter

HEUTE

So sieht Shopping

heute aus, wie dieses

deutsche Amazon-

Verteilerzentrum

veranschaulicht.

FRÜHER

1918 bestand der

Einzelhandel aus

kleinen unabhängi-

gen Greißlereien.

Ob der robotische

Butler ein Humanoid

sein wird, bleibt

zu bezweifeln.

Die breite Industria-

lisierung und Tech-

nisierung der Haus-

halte begann in den

1920er Jahren.

Josef Baker-

Brunnbauer,

Digital Product

Consultant

„Es könnte schon bald

Amazon-Eigenmarken

geben und das hat einen

massiven Impact auf

die Realwirtschaft.“

HEUTE

FRÜHER

„Es geht alles

in Richtung des

robotischen

Butlers.“

Harold Artés,

CTO Robart GmbH

Ô