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WIRTSCHAFT

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6/2018

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6/2018

FOTOS: LAND OÖ

Landespolitik.

Thomas Stelzer, seit einem Jahr Landeshauptmann von Ober­

österreich, über notwendigen Gestaltungsspielraum, die Kritik an seinem Sparkurs und

die Notwendigkeit, den Ausbau der Breitbandinfrastruktur rascher voranzutreiben.

„WAS WIR MACHEN, HABEN

ANDERE NOCH VOR SICH“

INTERVIEW

C

HEFINFO: Sie erwähnten, dass Sie

in Ihrem ersten Jahr als Landes-

hauptmann jene Voraussetzungen

geschaffen haben, damit Oberösterreich

zu einem Land der Möglichkeiten wird.

Was meinen Sie damit?

Stelzer:

Wir sind angegangen, was ange-

standen ist. Mit dem Haushalt 2018 geben

wir nicht mehr aus, als wir einnehmen. Wir

machen also keine neuen Schulden. Das hal-

te ich für ganz wesentlich. Denn jedes Unter-

nehmen und jede Privatperson müssen ver-

nünftig haushalten – dasselbe muss auch für

die Politik gelten. In einer Phase, wo die Wirt-

schaft gut läuft, ist der richtige Zeitpunkt für

diesen neuen Weg im Landeshaushalt.

CHEFINFO: Sie haben angekündigt, in

wichtige Zukunftsbereiche investieren zu

wollen. Welche sollen das sein?

Stelzer:

Die Neuausrichtung gibt uns einen

notwendigen Spielraum für wichtige Inves-

titionen, zum Beispiel in den Breitbandaus-

bau im ländlichen Raum, in die Schaffung

von 400 zusätzlichen Wohnplätzen für Men-

schen mit Beeinträchtigung, in den Ausbau

des öffentlichen Verkehrs oder in die Berei-

che Wissenschaft und Forschung.

CHEFINFO: Für Ihre Nullschuldenpolitik

gab es auch Kritik. Halten Sie am einge-

schlagenen Weg fest?

Stelzer:

Was wir machen,

haben andere Länder noch vor

sich. Aber natürlich gibt es bei

Reformen auch Unsicherheiten.

Dafür habe ich ein offenes Ohr.

Nichtsdestotrotz bin ich davon

überzeugt, dass wir auf dem

richtigenWeg sind. Erst kürzlich

wurde zum Beispiel das Rating

des Landes OÖ von Standard

and Poor‘s (S&P) mit AA+

bestätigt. Der Ausblick wurde

von negativ auf stabil verbessert.

S&P begründet das damit, dass

es Oberösterreich im Jahr 2018

schaffen werde, den Haushalt

auszugleichen – positiv wird

auch die Schuldenbremse gese-

hen. Als starkes Wirtschafts- und Industrie-

land ist es wichtig, dass die Investoren Ver-

trauen in unseren Standort haben.

CHEFINFO: Der Breitbandausbau geht

österreichweit seit Jahren sehr schlep-

pend voran. Kann die Politik damit zufrie-

den sein?

Stelzer:

Auch uns in Oberösterreich ging

das bisher zu langsam. Es darf keine Zwei-

klassengesellschaft bei der Breitbandversor-

gung geben. Vor allem im ländlichen Raum

brauchen wir stabiles und schnelles Inter-

net, um als Standort attraktiv zu sein. Des-

halb auch der Schwerpunkt im Landeshaus-

halt. Wir investieren in den kommenden fünf

Jahren 100 Millionen Euro in den Ausbau.

Und wir haben eine eigene Errichtungsge-

sellschaft – die Fiber Service OÖ GmbH –

gegründet, um den Breitbandausbau gezielt

voranzutreiben. Die öffentliche Hand muss

dort investieren, wo es für private Unterneh-

mer wirtschaftlich unattraktiv ist.

CHEFINFO: Oberösterreich erhält eine

Pionierrolle in puncto autonomes Fah-

ren. Sie haben vom Bund den Zuschlag

für eine von zwei österreichweiten Test-

strecken für autonomen Güterverkehr

bekommen. Was bedeutet das für den

Standort Oberösterreich?

Stelzer:

Selbstfahrende Fahrzeuge sind ein

wesentliches Zukunftsfeld.

Und auch wenn diese Tech-

nologie erst am Anfang

steht, wollen wir als starker

Industrie- und Wirtschafts-

standort bei den Schnells-

ten sein. Der dafür gegrün-

dete Verein „DigiTrans“

wird das Forschungspro-

jekt, bei dem Wissenschaft

und Wirtschaft ganz eng

zusammenarbeiten, koor-

dinieren. Sowohl die Auto-

mobil- und IT-Branche als

auch Logistikzentren, wie

z.B. der Ennshafen oder

der Flughafen in Linz-Hör-

sching, sind mit an Bord.

n

„Die öffentliche

Hand muss dort

investieren, wo

es für private

Unternehmen

unattraktiv ist.“

Thomas Stelzer

Landeshauptmann

Vor mehr als einem

Jahr löste Thomas

Stelzer Josef Pühringer

als Landeshauptmann

ab. Von anfänglicher

Kritik und den Zweifeln

ist heute nichts mehr

zu hören. Stelzer sitzt

fest im Sattel, setzt den

Sparstift an und fährt

mit pragmatischer,

unaufgeregter Politik

ein wirtschaftsfreund-

liches Programm.

Stelzer gilt als wich-

tiger Unterstützer von

Kanzler Kurz.

THOMAS

STELZER