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CHEFINFO

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1/2018

FOTO: APA PICTUREDESK

E

s mag bloßer Zufall gewesen sein

oder das seltene Ereignis einer

Quantenverschränkung zweier

Seelenverwandter. Etwa zur selben Zeit,

als die beiden Trägerraketen der Falcon

Heavy des SpaceX-Programms in Cape

Canaveral synchron aufsetzten, landete in

Wien-Schwechat das Flugzeug mit Hol-

lywood-Schauspielerin Melanie Griffith.

SpaceX ist das ambitionierte Raumfahrts-

programm des Unternehmers Elon Musk

– unter anderem mit dem Ziel, den Mars

zu besiedeln. Melanie Griffith ist Teil der

ambitionierten Einladungspolitik des

Unternehmers Richard Lugner für den

Opernball, mit dem Ziel, sein Einkaufs-

zentrum zu beleben. Man könnte natür-

lich anmerken, dass jedes Land jene Hel-

den hat, die es verdient. Und das meine

ich gar nicht böse oder sarkastisch. Der

Opernball ist ein Mikrokosmos aus Ver-

satzstücken einer versunkenenMonarchie

und eine Melange aus dem politischen

Österreich, Geldadel sowie Personen, die

zur Prominenz gezählt wer-

den. Amerikanern ist so eine

Welt fremd und Lugners Gäs-

te werden bestaunt als wären

sie Mutanten aus einer fer-

nen Galaxie. Musks Interes-

se galt immer dem Weiten

und Unendlichen, dem Mak-

rokosmos des Alls, in dem er

hofft, einst Alien zu begegnen,

die ihm irgendwann vielleicht

auch einen Tesla abkaufen. In

Österreich fände ein Visionär

wie Musk wohl nur im alten

Klinikum Gugging Platz.

„Don‘t panic“ als Lebensmotto

Man mag von Lugner oder Musk halten

was man will, aber beide beherrschen die

Kunst, um ihre Person und ihr Unterneh-

men ein Spektakel zu machen, das regel-

mäßig für internationale Schlagzeilen

sorgt. Wobei der gebürtige Südafrikaner

freilich in einer anderen Liga spielt. „Ent-

weder das Ding explodiert oder hebt ab

ins All“, sagte er vor dem Start der Falcon

Heavy. Es funktioniert und am Lenkrad

des Tesla sitzt eine Puppe im Raumanzug,

am Cockpit leuchtet der Spruch „Don‘t

panic!“ auf und aus den Lausprechern ist

David Bowies „Space Oddity“ und „Life

on Mars“ zu hören. Der Unternehmer

Musk erschließt sich zum Teil aus seiner

Biografie Die Großeltern waren Aben-

teurer und zogen von Kanada nach Süd-

afrika. Zwei Jahre lang flogen sie mit den

Kindern in rund um die Welt und suchten

in der Wüste Kalahari nach der versunke-

nen Stadt. Das prägt und erklärt einiges.

Was man von Musk lernen kann, ist die-

se unternehmerische Einstel-

lung, dieser Kolumbus-Trieb.

Insofern brauchen wir Öster-

reich nicht kleiner machen

als es ist. Unser Falcon hea-

vy-Testflug heißt Türkis-Blau

einer wild umkämpften Koa-

lition. Politik muss entideolo-

gisiert und eine Koalition als

unternehmerisches Projekt

gesehen werden. Die Träger-

rakete ist gestartet und jetzt

kommt es darauf an, Kurs zu

halten. „Don‘t panic“ könnte

als Lebensmotto gelten.

von Klaus Schobesberger

Chefredakteur

UNTERNEHMER.

Elon

Musk und Richard

Lugner sind Seelenver-

wandte und lieben das

Spektakel.

Mars oder

Opernball:

Wohin geht

die Reise?

ANDERS

GEDACHT

ANDERS GEDACHT

Elon Musks

Tesla im All.